Mundus Archivi – Die Welt des Archivs
Folge 01 – Die Eröffnung des ABK-Archivs in Köln
Am 7. November 2025 war es endlich so weit: Das Alevitisch-Bektaschitische Kulturinstitut e.V. in Köln öffnete die Tore seines neuen Archivs und präsentierte dieses einmalige Projekt der Öffentlichkeit. Als geladener Gast durfte ich dabei sein – ein Erlebnis, das mich nachhaltig beeindruckt hat.
Bevor ich näher auf die Eröffnung eingehe, möchte ich kurz anmerken, warum dieser Verein in unserer alevitisch-bektaschitischen Community besonders geschätzt wird. Zwei seiner Institutionen sind nämlich längst zu festen Größen geworden:
- Die wissenschaftliche Zeitschrift des Instituts: Seit 2009 erscheint halbjährlich die „Forschungszeitschrift über das Alevitentum und das Bektaschitentum“. Sie ist nicht nur in Fachkreisen hoch angesehen, sondern allein in Deutschland in rund 40 Bibliotheken als Druckausgabe verfügbar.
- Die Hıdırellez-Feier: Alljährlich Anfang Mai findet im Kadıncık-Ana-Dergâhı, in Hausen (Wied), das alevitische Frühlingsfest statt. Es ist ein Event, an der viele namhafte Persönlichkeiten aus der alevitisch-bektaschitischen Community teilnehmen.
Mit der Eröffnung des Archivs vor etwa zwei Wochen hat das Kulturinstitut nun eine dritte Institution geschaffen, die für die kommenden Generationen von unschätzbarem Wert sein wird.
Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Besuch in diesem Archiv, gemeinsam mit Herrn Haydar Akkoyun, dem Generalsekretär der Internationalen Alevitischen Stiftung, vor einigen Jahren. Damals wurden wir von Frau Güllizar Cengiz und Prof. Dr. Ali Yaman durch das Archiv geführt. Auch Frau Dr. Janina Karolewski, Spezialistin für alte handschriftliche Urkunden, war vor Ort und beschäftigte sich leidenschaftlich mit der Katalogisierung der Archivalien – eine von vielen wissenschaftlichen Arbeiten, die dort regelmäßig stattfinden. Der damalige Besuch war für uns sehr inspirierend und hatte uns mit Stolz erfüllt, dass dieser Verein eine enorme Archivarbeit leistete, wofür manch andere alevitische Institutionen zu jener Zeit nicht mal Interesse zeigten.
Nun, als jemand, der schon seit seiner Jugend eine Leidenschaft für Archive hegt, war dieser Besuch für mich ein Glücksmoment. Überall um uns herum: alte Akten, alte Fotografien, Gemälde, handschriftliche Manuskripte und alte Bücher – eine wahre Schatzkammer der Geschichte. Für mich, als jemand, der ebenfalls mit Sammlungen zu kämpfen hat (sehr zum Leidwesen meiner Frau, denn schließlich wohnen wir nicht in einer geräumigen Villa mit einem Westflügel!), war das ein Traum.
Stellen Sie sich vor, Sie könnten in einem Ort wohnen, an dem historische Schätze für jedermann zugänglich sind. Klingt vielleicht komisch, aber das Kulturinstitut hat vorgesorgt: Für Wissenschaftler und Forscher, die aus der Ferne anreisen, gibt es nun Gästezimmer. So kann man rund um die Uhr forschen, und wenn es Zeit für eine Pause oder eine Übernachtung wird, sind die Zimmer nur einen kurzen Gang entfernt.
Wer ein berechtigtes Interesse hat, kann sich für die Nutzung des Archivs anmelden. Und der Zugang zu Archivalien von Persönlichkeiten wie Mehmet Yaman Dede, Haydar Ercan Dedebaba, Miyase İlknur oder Ayhan Aydın, um nur einige zu nennen, ist selbstverständlich ebenfalls möglich – natürlich unter strengen datenschutzrechtlichen Auflagen, auf die das Kulturinstitut äußerst Wert legt.
Warum ist dieses Archiv so wichtig?
Weil es uns hilft, unsere alevitisch-bektaschitische Geschichte lebendig zu halten und uns mit der Vergangenheit zu verbinden. Gerade in einer Zeit, in der vieles nur noch digital existiert, sind physische Archive von unschätzbarem Wert.
Wenn wir in Forschung und Bildung – als unverzichtbaren Pfeilern der Zukunft unseres Glaubens – investieren wollen, so kommen wir nicht umhin, archivwürdige Unterlagen aufzubewahren, zu erschließen und zugänglich zu machen.
Es sind nicht nur die Sammlungen berühmter Persönlichkeiten, die dokumentiert werden müssen – auch alltägliche Dokumente aus den Vereinstätigkeiten verdienen es, bewahrt zu werden. Diverse Urkunden und sonstige Dokumente, z.B. aus Mitgliedsversammlungen alevitischer Vereine, Flyer und Plakate, Fotos und Filmmaterial, sind mindestens genauso archivwürdig.
Denn so wird Vergangenes lebendig, das Archivgut, wie im Falle des Instituts, zu einem kollektiven Gedächtnis der alevitisch-bektaschitischen Gesellschaft, mithin zum Bewahrer des kulturellen Erbes unseres Glaubens.
Bleibt nur zu hoffen, dass manch andere Vereinigungen aus der hiesigen alevitischen Landschaft dem Beispiel des Kulturinstituts folgen, um auch ihre Archive der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Hüseyin Barış Öztürk
Für Kommentare: huseyinozturk@gmx.de
Artikel veröffentlicht auf Alevi-Portal am 21.11.2025
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Den Bericht über die Eröffnung des Archivs finden Sie hier.
