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Welche Gedenktage und Feierlichkeiten erwarten uns Aleviten im Jahr 2026?

Hüseyin Barış ÖZTÜRK

  • 01 Ocak 2026
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Verehrte Leserinnen und Leser,

zunächst wünsche ich Ihnen ein gesundes, glückliches und friedliches neues Jahr!

Wie in jedem Jahr erwarten uns Aleviten und Bektaschiten auch im neuen Jahr wieder zahlreiche runde Jahrestage (Geburts- und Todestage).

Nachfolgend möchte ich einige dieser besonderen Anlässe vorstellen, die in unseren Gemeindehäusern (Cemevleri) für mögliche Programme zur Erinnerung dienen könnten.

Neriman Altındağ Tüfekçi
Sie war die erste Solistin, die erste Dirigentin und die erste Musiklehrerin der jungen Türkischen Republik. Am 14. März 1926, vor 100 Jahren, erblickte sie das Licht der Welt.

Salih Niyazi Dedebaba
Als Dedebaba und Postnişin war er der letzte offizielle Leiter des Hacı Bektaş Veli Dergâhs. Vor 150 Jahren, am 15. März 1876, wurde er im Dorf İstarye (Starje) in der Gemeinde Kolonya in Albanien geboren.

Ali Ekber Çiçek
Er war ein Meister der traditionellen türkischen Volksmusik (Türk Halk Müzigi). Am 26. April 2006, vor 20 Jahren, erlag er in Istanbul den Folgen eines Pankreaskrebses.

Mustafa Yücel Özbilgin
Der geschätzte Jurist und Mitglied des Staatsrats (Danıştay) wurde vor 20 Jahren, am 17. Mai 2006, während einer Dienstbesprechung ermordet. Der Mörder begründete seine Tat mit einer (drei Monate zuvor verkündeten, laizistisch geprägten) Entscheidung des 2. Senats des Danıştay zum Tragen eines Kopftuchs.

Sümeyra Çakır
Sie war eine geschätzte Sängerin der traditionellen türkischen Volksmusik und wurde vor 80 Jahren, am 25. Mai 1946, in Edirne geboren.

Wohltätiges Ereignis (Vaka-i Hayriye)  / Böses Ereignis (Vaka-i Şerriye)
Mitte Juni 1826 wurde die osmanische Elitetruppe der Janitscharen durch Sultan Mahmud II. gewaltsam aufgelöst, woraufhin eine regelrechte Jagd auf die noch verbliebenen Janitscharen sowie auf Angehörige der Bektaschiten/Kızılbaş begann. Den 200. Jahrestag dieses eigentlich „unglücklichen“ Ereignisses werden wir mit verschiedenen Hintergrundartikeln begleiten.

Yaşar Nuri Öztürk
Als moderner Theologe, aber auch als Akademiker, Politiker und Schriftsteller, trat er vehement für die Trennung von Religion und Staat ein. Vor 10 Jahren, am 22. Juni 2016, erlag er in Istanbul einem Magenkrebsleiden.

Duygu Asena
Als Schriftstellerin, Journalistin und Frauenrechtlerin prägte sie die türkische Literatur und Medienlandschaft nachhaltig. Insbesondere ihr Engagement für die Emanzipation und Selbstbestimmung von Frauen trug maßgeblich zur Feminismus-Bewegung in der Türkei bei. Sie verstarb vor 20 Jahren, am 30. Juli 2006, an Krebs.

Can Yücel
Er war ein geschätzter und bedeutender politischer Lyriker sowie Übersetzer namhafter Weltliteratur. Vor 100 Jahren, am 21. August 1926, erblickte er in Istanbul das Licht der Welt.

Muzaffer Buyrukçu

Als Schriftsteller einer humanistischen Strömung der türkischen Literatur war er ein Meister der türkischen Sprache und bereicherte die Literatur mit seinen meisterhaft langen Erzählungen sowie durch seine außergewöhnliche Beobachtungsgabe in seinen Romanen und Tagebüchern. Vor 20 Jahren, am 21. August 2006, starb er.

Vedat Türkali
Der Romancier, Dichter und Drehbuchautor setzte sich zeit seines Lebens für die Menschenrechte ein. Er starb vor 10 Jahren, am 29. August 2016.

Ali Hadi Bara
Der Bildhauer wurde u.a. für die Herstellung von Atatürk-Büsten sowie für seine Arbeiten am Atatürk-Mausoleum (Anıtkabir) berühmt. Er wurde vor 120 Jahren, am 9. September 1906, in Teheran geboren.

Baba Zünnûn
Baba Zünnûn, ein lokaler alevitischer Führer, lehnte sich gemeinsam mit weiteren örtlichen religiösen Führern gegen die wirtschaftliche Ungerechtigkeit der Besteuerung sowie Beschlagnahmung seines Landes durch die osmanische Regierung auf. Der Aufstand wurde niedergeschlagen, und die Rebellen wurden vor 500 Jahren, am 25. September 1526, getötet. Die Revolte von Baba Zünnûn ebnete ein Jahr später (1527) den Weg für den Aufstand von Kalender Çelebi.

Fikret Otyam
Er war Journalist, Schriftsteller und Maler und hinterließ eine umfangreiche Interview-Sammlung. In seinen zahlreichen Gemälden verewigte er insbesondere anatolische Frauen in traditioneller Kleidung. Vor 100 Jahren, am 19. Dezember 1926, wurde er geboren.

Ein paar weitere Beispiele für runde Anlässe:

Fuzûlî, einer der erhabenen Dichter des Alevitentums, verstarb vor genau 470 Jahren, im Jahr 1556.

Âşık Dertli, ein Volksdichter, erlangte Berühmtheit nicht nur durch sein satirisches Gedicht „Şeytan Bunun Neresinde“ („Wo ist hier denn der Teufel?“), sondern auch durch viele weitere sozialkritische und spöttische Gedichte. Vor 180 Jahren, im Jahr 1846, ging er von uns.

Âşık Seyrânî, auch bekannt unter seinen Beinamen „Sarhoş Seyrânî“ (Der betrunkene Seyrânî) und „Deli Seyrânî“ (Der verrückte Seyrânî), kam zwar als Sohn eines sunnitischen Imams auf die Welt, widmete sich jedoch der alevitisch-bektaschitischen Literatur. In seinen Gedichten verarbeitete er seine Liebe zu Hz. Ali und den zwölf Imamen, aber auch die spirituelle Kultur des Bektaschitentums. In diesem Jahr jährt sich der Todestag dieses Volksdichters zum 160. Mal.

Die Liste der Anlässe für runde Geburts- und Todestage ließe sich gewiss noch erweitern. Aus Platzgründen möchte ich jedoch abschließend noch kurz auf zwei namhafte Persönlichkeiten eingehen:

Auf Vorschlag der Türkischen Republik wurden sowohl der 500. Geburtstag von Bâki als auch der 700. Todestag des bedeutenden Sufi-Mystikers Şeyh Edebali in das Kulturprogramm der UNESCO aufgenommen.

Die mystischen Lehren Şeyh Edebalis sind von Wertschätzung und Toleranz gegenüber seinen Mitmenschen geprägt. Auch verehrte er Hz. Ali und dessen Familienangehörige. Mithin lassen sich Edebalis Anschauungen mit den Grundwerten des Alevitentums durchaus vereinbaren.

Wie steht es hingegen mit Bâkis Vorstellungen in Bezug auf die alevitisch-bektaschitische Glaubenslehre?

Bâki, in der osmanischen Literaturgeschichte bekannt als „Sultan der Dichter“, lebte in einer Zeit, in der Süleyman I. (Süleyman der Prächtige) auf dem osmanischen Thron saß und Mehmed Ebussuud Efendi als oberste religionsrechtliche Autorität Todes-Fatwas gegen Aleviten und Kızılbaş erließ. Über Bâkis Schaffen und Wirken als Richter im osmanischen System, insbesondere über seinen Bezug auf die als „Ketzer“ verunglimpften Kızılbaş, ist leider nicht viel bekannt. Ich hoffe, dass unsere akademische Forschung anlässlich dieser Gedenkfeiern sich dieses Themas widmen wird.

Einige der oben genannten runden Jubiläen werde ich in dieser Rubrik behandeln.

Abgesehen davon halte ich es für sinnvoll, diesen Jubiläen sowohl in unseren Gemeindehäusern als auch in unseren akademischen Arbeiten einen Platz einzuräumen.

Mit dem Wunsch, auch im Jahr 2026 EINIG, STARK und LEBENSKRÄFTIG zu sein…

 

Hüseyin Barış Öztürk

Für Kommentare:  huseyinozturk@gmx.de

Artikel veröffentlicht auf Alevi-Portal am 01.01.2026

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Zur türkischen Fassung der Kolumne

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