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Beiträge, Hintergründe und Einblicke vom UN-Forum

  • 04 Aralık 2025
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Beiträge, Hintergründe und Einblicke vom UN-Forum

 

Die IDHRV-ARMIL fordert im UN-Menschenrechtsforum zu Minderheiten mit Nachdruck wirksame Maßnahmen zum Schutz syrischer Frauen aus Minderheiten vor Entführungen, sexueller Ausbeutung und Missbrauch 

 

Genf, Schweiz  –  27. November 2025

 

 

Prof. Dr. Jens Kreinath fordert Schutz für Minderheiten

Auf der 18. Sitzung des Forums für Minderheitenfragen des Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen (UNO) in Genf  (*1)  wies Prof. Dr. Jens Kreinath, Direktor des Instituts für die Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen an religiösen Minderheiten in der Levante (IDHRV-ARMIL), in seiner zweiminütigen Rede eindringlich auf die anhaltende Gewalt gegen syrische Frauen aus religiösen Minderheiten hin:

„Im Namen der alawitischen Amerikaner möchte ich meine Sorgen über syrische Frauen aus Minderheiten, insbesondere Alawiten, zum Ausdruck bringen, die Opfer von Entführungen und sexueller Ausbeutung geworden sind.“

Das Institut, das er führt, hat bereits 125 Fälle dokumentiert, in denen Frauen aus verschiedenen religiösen Gemeinschaften entführt sowie Opfer von sexuellem Missbrauch sowie teils von Vergewaltigungen wurden.

„Die systematische Entführung nicht-sunnitischer Frauen, die als ‚Kriegsbeute‘ behandelt werden, offenbart die Mittäterschaft der Behörden“,

erklärte Prof. Kreinath. Laut Augenzeugenberichten werden die betroffenen Familien eingeschüchtert und zum Schweigen gebracht, was die Straflosigkeit dieser Verbrechen weiter verstärke.

In seiner Rede wies Prof. Kreinath insbesondere auch auf eine mögliche Mitverstrickung der syrischen Sicherheitskräfte und Behörden hin. Die Zusammenarbeit mit ihnen sei eher selten, und Ermittlungen würden häufig blockiert, so der Experte.

In elf dokumentierten Fällen hätten die Sicherheitskräfte der syrischen Regierung direkt an den Entführungen mitgewirkt. In dem vorliegenden Manuskript betonte Prof. Kreinath, dass die Täter mit ihren Entführungsopfern oft mehrere Kontrollpunkte passieren konnten, ohne dass die Sicherheitskräfte eingriffen – ein Hinweis auf die weitreichende Mittäterschaft und das Fehlen einer effektiven und gewährleisteten Strafverfolgung.

Hier wies er zudem auf die vergleichbaren Vorgehensweisen des „Islamischen Staates“ (IS) und von Al-Qaida hin, bei denen Frauen durch Zwangsheirat und sexuelle Gewalt instrumentalisiert wurden. Dieses wiederkehrende Gewaltmuster gegen Frauen aus religiösen und ethnischen Minderheiten sei Teil einer breitangelegten Strategie, die Gemeinschaften zu spalten, Angst zu verbreiten und Macht unter dem Deckmantel religiöser Ideologien auszubauen und zu verfestigen.

 

 

Neben der alarmierenden Situation innerhalb Syriens wies Prof. Kreinath in seiner Rede auch auf die prekäre Lage syrischer Flüchtlingsfrauen hin, die vor der Gewalt in Syrien in den Libanon fliehen mussten.

„Diese Frauen sind dort akut von Menschenhandel, Ausbeutung und willkürlicher Inhaftierung bedroht“,

warnte er. Auch hier plädierte er für eine verstärkte und wirksame internationale Unterstützung, um den Frauen effektiven Schutz zu gewährleisten.

„Im Einklang mit den Forderungen nach einem verstärkten Schutz von Frauen aus Minderheiten in Konfliktgebieten müssen die UN-Organisationen und die Mitgliedstaaten dringend Maßnahmen ergreifen, um syrische Frauen aus Minderheiten eindeutig als Opfer von Menschenhandel festzustellen und nicht, um sie zu bestrafen“,

erklärte er. Weitere Forderungen beinhalteten geschlechtsspezifische Schutzmaßnahmen wie Rechtsbeistand, unabhängige Überwachung der Haftbedingungen, und eine Einstellung der Zurückweisung von Frauen, die vor Verfolgung fliehen.

„Frauen aus schutzbedürftigen Minderheiten haben nach internationalem Recht Anspruch auf Schutz, Würde und Gerechtigkeit“,

betonte Prof. Kreinath.

Zudem forderte er, dass alle am Menschenhandel beteiligten staatlichen und nichtstaatlichen Akteure eindeutig zur Rechenschaft gezogen werden, eine ordnungsgemäße Dokumentation von Gräueltaten sicherzustellen, die am stärksten gefährdeten Mitglieder religiöser Minderheiten zu schützen, das Mandat des UN-Sonderberichterstatters auf Syrien auszuweiten, die Rechte von Minderheiten und eine inklusive Regierungsführung zu gewährleisten und darüber hinaus einen weiteren Völkermord zu verhindern.

 

Mutaz Zakia zur Lage alawitischer Flüchtlinge aus Syrien

Als Delegierter des IDHRV-ARMIL berichtete Mutaz Zakia über den vom Institut bereits hinreichend dokumentierten Fall der 22 alawitischen Flüchtlinge aus Syrien.

 

 

 

Diese waren nachweislich von Mitarbeitern eines Rettungsschiffes der griechischen Küstenwache in den internationalen Gewässern direkt vor der Küste von Muğla über Bord geworfen und dann von der türkischen Küstenwache aus dem Mittelmeer aufgegriffen und gerettet worden.

Zakia berichtete dem UN-Forum , dass  die Flüchtlinge nicht nur unter menschenunwürdigen Bedingungen lebten, sondern auch verbaler und nonverbaler Misshandlung ausgesetzt seien, und viele würden unter Druck gesetzt „freiwillig“ wieder nach Syrien zurückzukehren. Das IDHRV-ARMIL hat bereits Mitglieder der türkischen Juristenkammer autorisiert, diesen Fall unter Anwendung von Regel 39 an den Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) weiterzuleiten, um durch einen sicheren Fluchtkorridor den Personenschutz zu gewährleisten.  (*2)

 

Eindrücke vom Forum für Minderheitenfragen

Frau Lemia Yiyit, eine der zwei Mitglieder der deutschen Delegation von IDHRV-ARMIL, hob die Bedeutung des UN-Forums wie folgt hervor:

„Die Vereinten Nationen wurden 1945 gegründet, um den Weltfrieden zu wahren, die internationale Sicherheit zu stärken, die Menschenrechte zu schützen und die Zusammenarbeit zwischen Staaten zu fördern. Auf der 18. Sitzung des UN-Forums für Minderheitenfragen erhielten Minderheiten weltweit eine wichtige Plattform, um auf Menschenrechtsverletzungen in ihren Ländern aufmerksam zu machen – eine Chance, die ihnen sonst oft verwehrt bleibt.“

 

 

Vertreter unterschiedlicher Menschenrechts-
organisationen für Minderheiten

 

Positionspapier und Pressemitteilung

Das Institut IDHRV-ARMIL überreichte auf dem Minderheitenforum an den UN-Sonderbeauftragten Prof. Dr. Nicolas Levrat eine Kurzfassung des Positionspapiers „Sicherheitsschutz für Minderheitenrechte und Inklusive Regierungsform“.

 

>   Zur deutschen Fassung des Policy Papers

>   Zur englischen Fassung des Policy Papers

>   Zur französischen Fassung des Policy Papers

>   Zur türkischen Fassung des Policy Papers

  

Das von Prof. Kreinath und seinen Beratern erarbeitete Positionspapier sowie die in seiner Rede hervorgehobenen Empfehlungen könnten insofern von entscheidender Bedeutung für die Zukunft Syriens sein, als UN-Sonderbeauftragter Prof. Levrat derzeit dabei ist, seinen Jahresbericht über die Menschenrechtslage von religiösen, sprachlichen und ethnischen Minderheiten fertigzustellen und dringend nach Lösungsansätzen für die Lage der Minderheiten in Syrien sucht.

 

Treffen mit dem UN-Sonderbeauftragten
für Minderheiten Prof. Dr. Nicolas Levrat

 

Im Anschluss an die Tagung erfolgten Pressemitteilungen diverser Organisationen.

Frau Lemia Yiyit fasste ihre Eindrücke und Erfahrungen am UN-Hauptsitz in Genf wie folgt zusammen:

„Ich bin dankbar, dass auch wir im Namen unseres Instituts teilnehmen und über die Menschenrechtsverletzungen an Alawiten, Christen, Drusen und anderen religiösen, sprachlichen, wie ethnischen Minderheiten in Syrien berichten konnten.“

Prof. Kreinath hob eindringlich hervor, dass das IDHRV-ARMIL-Team versuche, denen eine Stimme zu geben, die keine Stimme hätten. Zudem würde sein Institut Gräueltaten dokumentieren, die von staatlichen wie nicht-staatlichen Akteuren begangen worden seien. Abschließend betonte er, dass „der Krieg und die Propaganda gegen religiöse Minderheiten aufhören muss“.

 

Fußnoten

(*1)

Links zur 18. Sitzung des Forums für Minderheitenfragen des Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen (UNO) in Genf:

https://www.ohchr.org/en/events/forums/2025/eighteenth-session-forum-minority-issues

Das erste Meeting:

27. November 2025,  10:00 – 13:00 Uhr   

https://webtv.un.org/en/asset/k1j/k1j3nv0q9b 

Das vierte Meeting:

28. November 2025, 15:00 – 15:30 Uhr

https://webtv.un.org/en/asset/k15/k15d5osof3  

(*2)

Vgl. hierzu den vom UNHCR veröffentlichten Praxisleitfaden zu Artikel 39 der Verfahrensordnung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte für Personen, die internationalen Schutz benötigen:

https://www.coe.int/de/web/portal/-/launch-of-unhcr-rule-39-toolkit 

und 

https://www.echr.coe.int/documents/604084/839313/Rules_Court_ENG.pdf/9867832e-6b9d-3442-031b-43217bbfa1bd?version=14.0&t=1758007123051&download=true

 

Weitere Bilder von der Tagung  

 

 

Sitzungsleiterin Caroline Ziadeh
(Botschafterin und Vertreterin
des UN-Generalsekretärs)

 

 

>   Zur englischen Fassung des Artikels bitte hier klicken.

>   Zur französischen Fassung des Artikels bitte hier klicken.

>   Zur türkischen Fassung des Artikels bitte hier klicken.

 

Autoren dieses Artikels:  

Hüseyin Barış Öztürk in Zusammenarbeit mit der Redaktion des IDHRV-ARMIL

Korrekturteam:

Gabriele Shenar, Refika Sarıönder, Serdar Paulo Erdost

Fotos:

Lemia Yiyit, Mutaz Zakia und Prof. Dr. Jens Kreinath

Foto-Ausschnitte aus den Videos:

UN Web TV, United Nations Human Rights Council

 

Artikel veröffentlicht auf Alevi-Portal am 05.12.2025

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