Gedenktafel erinnert an Hugo Landauer

Hasan Ögütcü vom Alevitischen Bildungswerk und Daisendorfs Bürgermeisterin Jacqueline Alberti enthüllen die Gedenktafel, die an Hugo Landauer erinnert. Im Hintergrund ist der Betonbau zu sehen, der 1971 nach dem Abriss des Landauer-Anwesens errichtet wurde. | Bild: Jürgen Baltes
Interesse an jüdischem Leben in Deutschland
Für die 900-Jahr-Chronik im Jahr 2022 wurden Ideen unter den Bürgern gesucht. ZF-Ingenieur Ögütcü, der seit 50 Jahren mit seiner Familie in Daisendorf zu Hause ist, hatte bereits mit der Jüdischen Gemeinde in Konstanz zusammengearbeitet, etwa beim Projekt „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“, und war dabei auf Landauer gestoßen. Durch Ögütcüs Initiative hat es der frühere jüdische Mitbürger nicht nur in die Ortschronik geschafft. Auch eine Veranstaltung mit 120 Teilnehmern zum Leben von Hugo Landauer hatte Ögütcü im Jubiläumsjahr mit dem Historiker Christoph Knüppel organisiert, welcher zu dessen Familie geforscht hatte und eigens aus Norddeutschland angereist war.

Im Rathaussaal erzählen Hasan Ögütcü, Historiker Oswald Burger und Bürgermeisterin Jacqueline Alberti den gut 40 Besuchern Interessantes über Hugo Landauer. | Bild: Jürgen Baltes
Und nun also die Gedenktafel am Friedhof. „Wir sind froh, etwas zur Erinnerungsgeschichte Daisendorfs beitragen zu können“, sagt Ögütcü am Freitagabend. Als Teil der Gemeinschaft wolle sich das Alevitische Bildungswerk nicht nur mit eigenen Themen beschäftigen, sondern „auch mit denen der Mehrheitsgesellschaft“. Und so hat man die Gedenktafel in Auftrag gegeben, das Einweihungsfest organisiert und auch 2250 Euro an Spenden eingesammelt, die einen Großteil der Kosten decken.
Wie erstmals Strom ins Dorf kam
Doch wer war nun eigentlich Hugo Landauer? Ein ehemaliger Textilhändler, der mit dem Aufbau einer süddeutschen Kaufhauskette reich wurde, sich dann Anfang des 20. Jahrhunderts jedoch „für das Landleben und die Ideen des Sozialismus erwärmt hatte“, wie der Überlinger Historiker Oswald Burger den gut 40 Gästen vortrug. Was vermutlich wenige wissen: Im Jahr 1902 hatte Landauer den heutigen Demeterhof Höllwangen nördlich von Überlingen gekauft, 1917 dann den Homburger Hof bei Owingen und eben das frühere Daisendorfer Gasthaus „Rebstock“ mit reichlich Land. Etliche Daisendorfer fanden hier Arbeit.